Sehr geehrte Leser und Mitbürger,
in Washington hat sich der Wind gedreht. Weder der Wahlbetrug 2020 noch politische Strafverfahren oder sogar zwei Attentatsversuche konnten am Ende Donald Trumps Weg zurück in das Weiße Haus blockieren. Am 20. Januar feierte das republikanische Amerika einen großen Sieg. An Trumps Seite waren langjährige Kämpfer wie sein ehemaliger Wahlkampfmanager Steve Bannon, aber auch neue Köpfe wie die ehemaligen Demokraten Robert Kennedy Jr., Tulsi Gabbard und nicht zuletzt auch Elon Musk. Dass Trumps Sieg einen grundlegenden Machtwechsel bedeuten würde, war bereits seit Längerem abzusehen.
Bereits während des Wahlkampfs schwand die Unterstützung für „Wokeness“, insbesondere bei der Wirtschaftselite. Larry Fink, Chef des weltgrößten Vermögensverwalters BlackRock, sprach bereits einige Monate vor der Wahl davon, dass Industriestaaten von einer restriktiven Einwanderungspolitik profitieren würden – und widersprach damit dem bisher herrschenden und „politisch korrekten“ Narrativ. Bill Gates traf sich direkt nach der Wahl im vertraulichen Rahmen mit Trump und verkündete anschließend lobende Worte über ihn – und dies, obwohl Gates 50 Millionen US-Dollar an die Demokraten gespendet hatte. Facebook-Chef Mark Zuckerberg bat für die bisherige Zensurpraxis um Entschuldigung und sprach sich für eine Abschaffung der Frauenquote in Konzernen aus – diese bräuchten mehr „männliche Energie“, um erfolgreich zu sein. Und nicht zuletzt nahm die Lobbyorganisation Anti-Defamation League (ADL) Elon Musk gegen Vorwürfe in Schutz, er habe einen „deutschen Gruß“ gezeigt. Wenige Monate zuvor hatte die ADL noch zu einem Werbeboykott seiner Plattform „X“ aufgerufen – wegen des angeblichen „Rassismus“ und „Antisemitismus“ auf X.
Hat Trump also die bleierne „politische Korrektheit“ der letzten Jahrzehnte endgültig besiegt? Oder haben die wahren Herrscher hinter den Kulissen bloß einen neuen Akt im politischen Theater eröffnet? Untätigkeit ist Trump jedenfalls nicht vorzuwerfen. Am 20. Januar unterzeichnete er eine ganze Reihe von Erlassen. Unter anderem gab der neue Präsident die Akten zur Ermordung von John F. Kennedy frei und kündigte die Mitgliedschaft der USA in der „Weltgesundheitsorganisation“ sowie im „Pariser Klimaabkommen“. Allerdings ist noch weitgehend unklar, wie sich die neue Regierung international ausrichtet – zumindest die vielfach kritisierten Militärhilfen an die Ukraine und Israel laufen weiter. Ebenso steht in den Sternen, ob Trump sein zentrales Wahlversprechen – die millionenfache Abschiebung illegaler Migranten – einhalten wird. Die Big-Tech-Oligarchie vertritt bei der Migration eher eine liberale Linie – zumindest im Hinblick auf indische IT-Fachkräfte.
Bemerkenswert im Vergleich zu Trumps erster Regentschaft ab 2017 ist, wie mächtig das Netzwerk hinter ihm geworden ist. Den größten Beitrag leistete der weltweit vermögendste Mann: Elon Musk. Er spendete eine Rekordsumme von über 260 Millionen US-Dollar. Noch bedeutender war aber, dass Musk die bemerkenswerte Zensur auf X beendete. Die Plattform hatte nach dem vermeintlichen „Sturm auf das Kapitol“ am 6. Januar 2021 Trump und viele seiner Anhänger gesperrt. Musk musste 44 Milliarden US-Dollar für die Übernahme zahlen, was einem Vielfachen des eigentlichen Marktwerts der Firma entsprach. Mit Peter Thiel zählt ein weiterer Tech-Milliardär zum inneren Kreis von Trump. Vizepräsident J. D. Vance wurde von Thiel bereits zu einem frühen Zeitpunkt in seiner Karriere befördert. Die Presse schreibt deshalb schon von einer neuen „Broligarchy“: Mächtige, gut vernetzte Männer der IT-Branche („Bros“ – „Brüder“) teilten demnach die Macht unter sich auf. Ist Trumps „Make American Great Again“Bewegung damit noch volksnah? Oder bereits von Oligarchen aufgekauft? Eines ist sicher: Die rasante Entwicklung im Bereich Künstliche Intelligenz (KI) wird die Digitalkonzerne noch mächtiger machen, als sie heute schon sind. Ihre Unterstützung für Trump kann ein Zweckbündnis sein – oder auch der Hebel, um eine eigene Agenda der gesellschaftlichen Transformation voranzubringen. In der Ausgabe 01-2025 beleuchten wir die Hintergründe.
Ihr

Felix Schönherr
Chefredakteur POLITIK SPEZIAL
Dieser Text ist als Editorial der Ausgabe 01–2025 erschienen. Unterstützen Sie unseren unabhängigen Journalismus mit Ihrem Abonnement:

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